Meine tragische Reise in die Freiheit von 1972 bis 1979
Ich wurde 1972 in Pôsat, Kambodscha, geboren. Meine Mutter Chhay brachte mich in einem Zelt (einem provisorischen Krankenhaus) unter einem heiligen Baum, dem Banyanbaum, zur Welt. Es war zu Beginn des Krieges von Pol Pot und der späteren Roten Khmer. Meine Eltern wussten nicht, welchen Namen sie mir geben sollten, und nannten mich deshalb „Apo“, als Erinnerung daran, dass ich in Pôsat geboren wurde. Ja, ich wurde in einem Land geboren, das sich im Krieg befand und in den folgenden sieben Jahren rund zwei Millionen Menschenleben forderte.
Von 1975 bis 1979 waren wir Sklaven der Roten Khmer. Sie übernahmen die Macht und kontrollierten Staat und Bevölkerung. Wir mussten in den Reisfeldern für sie arbeiten. Ich habe Dinge gesehen, die man nicht beschreiben kann. Fünf Jahre lang hatten wir fast nichts zu essen und mussten täglich zwölf Stunden arbeiten. Die Roten Khmer hassten Intellektuelle. Mein Vater war Lehrer und musste sein Leben lang seine Identität verbergen, um nicht getötet zu werden.
Wir wurden Zeugen von Morden, Hinrichtungen und unvorstellbaren Grausamkeiten—Dinge, die kein Mensch, und schon gar kein Kind, jemals sehen sollte. Ich war zu jung, um auf den Feldern zu arbeiten, und oft krank. Mehrmals war ich dem Tod nahe. Meine älteren Geschwister und meine Eltern mussten arbeiten, und ich blieb allein zurück, wartete auf ihre Rückkehr, um etwas zu essen zu bekommen. Der Hunger war allgegenwärtig. Diese Zeit war die schwerste meines Lebens.
1978, noch immer unter der Tyrannei von Pol Pot und den Roten Khmer, starb meine ältere Schwester vor unseren Augen an Hunger. Wir waren unendlich traurig und gebrochen. Bereits vier Brüder und eine Schwester hatten wir in diesem Krieg verloren. Meine Familie war erschöpft und zutiefst verletzt von diesem endlosen Schrecken. Dorfbewohner und Angehörige wurden ohne Grund hingerichtet. Wer nicht gehorchte, wurde getötet. Wer Nahrung stahl, wurde gefoltert oder ermordet. Wer es wagte, ihnen in die Augen zu schauen, wurde getötet.
Eines Tages bombardierten amerikanische und französische Flugzeuge Stützpunkte der Roten Khmer. Dank dieser Ablenkung flohen wir gemeinsam mit allen Dorfbewohnern in den Dschungel. Jeder rannte um sein Leben, in Richtung Freiheit. Mein Vater, der kaum noch gehen konnte, wurde von meinen Geschwistern auf einem Fahrrad ohne Reifen getragen. Unsere ganze Familie floh—und trat in ein weiteres tragisches Kapitel unseres Lebens ein.
Die Bombardierungen wurden immer heftiger. Maschinengewehrsalven hallten um uns herum. Überall lauerten Minen, Bomben und die Verfolger der Roten Khmer. Wir versteckten uns hinter Bäumen und versuchten nachts so weit wie möglich zu gehen, nur unserem Instinkt folgend. Wir waren ausgehungert und verdurstet.
Irgendwann verloren wir meinen Vater, der nicht mehr laufen konnte. Er lag auf einer provisorischen Karre, die von einem Fahrrad oder von meinen Geschwistern gezogen wurde. Wir fürchteten, er sei gefasst und getötet worden. Doch meine Schwester fand ihn weit entfernt, und wir kamen wieder zusammen.
Ich war zu schwach zum Gehen und wurde auf den Rücken meiner Brüder getragen. Ständig hörten wir Schreie und Weinen von Menschen, die auf Minen traten. Der Stress, die Angst und der Geruch der Leichen haben sich unauslöschlich in mein Gedächtnis eingebrannt. Und es lagen noch mehr als drei Monate voller Angst und Flucht vor uns.
Während dieser drei Monate des Überlebens im Dschungel—mit Regen, Wind, Kälte und der ständigen Angst, vorne bombardiert oder von hinten von den Roten Khmer eingeholt zu werden—schafften wir es auf wundersame Weise, diese Hölle extremer Bedingungen zu überstehen. (Die Details dieser Zeit werde ich in meinem ersten Buch erzählen.)
Schließlich erreichten wir die thailändische Grenze, wo wir kaum akzeptiert wurden, da wir weder Pässe noch Geld besaßen. Missionare entdeckten uns und retteten uns aus dieser aussichtslosen Situation. Wenige Wochen später wurden wir politische Flüchtlinge in der Schweiz—einem Land, das mein Vater stets als Paradies auf Erden bezeichnete. Danke, Schweiz, Land der Freiheit, des Friedens und der Liebe.
Im Juli 1979 kamen wir in der Schweiz an. Ich war noch immer sehr krank, gezeichnet vom Hunger. Zuvor war ich in Thailand behandelt worden, doch ich erinnere mich besonders an meine erste Mahlzeit im Flugzeug: ein einfaches Omelett. Mein ausgehungerter Körper konnte es nicht vertragen. Obwohl der Geschmack neu und wunderbar war, musste ich mich sofort übergeben.
Und doch war es genau in diesem Moment, dass ich zum ersten Mal das Gefühl eines Neuanfangs verspürte—als ob dieser eine Bissen, selbst abgewiesen, die Tür zu Heilung und zu einer neuen Zukunft öffnete.
Mit meiner Familie wurden wir in Courtepin im Kanton Freiburg aufgenommen. Die Wärme dieser ersten Momente trage ich noch immer in mir, als uns das Schweizer Volk mit offenen Armen empfing. Eine tiefe Güte lag in der Luft und umhüllte uns vollkommen.
Dort sagte mein Vater zu uns: „Die Schweiz ist ein Paradies auf Erden.“
Diese Worte haben mein Leben geprägt. Seit jenem Tag empfinde ich tiefe Dankbarkeit gegenüber der Schweiz—diesem Land des Friedens und der Neutralität, das uns einen neuen Anfang schenkte und die Möglichkeit, endlich ohne Angst zu leben.
